Gold und Bronze für Constanze Wagner vom TV Rheinau
Constanze Wagner landete ihren bisher größten sportlichen Coup. Beim hochrangigsten Vergleich der weltbesten Ultramarathonläufer über 100 km errang die Leichtathletin des TV Rheinau die Bronzemedaille in der Einzelwertung und zusammen mit Elke Hiebl und Ricarda Botzon die Goldmedaille in der Teamwertung für den DLV.
Nach 7:39:35 Stunden erreichte Wagner das Ziel, hinter Edit Berces (7:25:21 h) aus Ungarn und der Russin Elvira Kolpakova (7:35:01 h) und distanzierte die favorisierten Athletinnen aus Frankreich und Japan. Auf dem zehn Kilometer Kurs durch die Innenstadt des holländischen Winschoten spulte sie ihre zehn Runden wie ein Uhrwerk ab. Gerade mal zweieinhalb Minuten betrug die Differenz ihrer schnellsten zu ihrer langsamsten Runde.
Mit ihrer Leistung legte sie den Grundstein für den Sieg der DLV Auswahl vor Frankreich und den USA.
Bei sommerlichen Temperaturen erreichte ein Drittel der 307 Teilnehmer aus 32 Nationen nicht das Ziel. Ideale Bedingungen für die Zuschauermassen an der Strecke, die es sich mit Klappstühlen und Picknick bequem machten und pausenlos die Läufer anfeuerten. Die dankten es mit einem spannenden Rennverlauf. Lange sah Elvira Kolpakova wie die sichere Siegerin aus. Ihr sehr hohes Anfangstempo forderte aber seinen Preis. Auf den letzten Kilometern brach sie förmlich ein, wurde von Berces überholt und rettete sich gerade noch vor der stark aufkommenden Constanze Wagner ins Ziel.
Die Ultramarathon Spezialistin des TV Rheinau zählt mit ihrer 100 km Bestzeit von 7:32:17 h zu den besten der Welt. Nur zwölf Frauen weltweit haben geschafft, diese Distanz schneller zu laufen. Im Ziel strahlte Constanze Wagner zufrieden und analysierte das Rennen: "Nach 40 km hatte ich die spätere Siegerin Berces eingeholt. Die wurde dadurch wohl aufgeschreckt und hat einen beeindruckenden 60 km langen Endspurt hingelegt. Sicher überlegt man hinterher immer, dass vielleicht doch noch mehr drin gewesen wäre. Aber nach siebzig Kilometern hatte ich auch nur wenige Sekunden Vorsprung vor der Vierten und Fünften. Ich wollte auch nicht zu viel riskieren. Die Konkurrenz war sehr stark. Wenn man hier überzieht, wird man gleich nach hinten durchgereicht."
Constanze Wagner fühlt sich auf Strecken ab Marathon erst richtig wohl. Für sie liegt der Reiz am Laufen mehr in der Bewältigung der Entfernung aus eigener Kraft, als in der Geschwindigkeit. Das Leiden auf kürzeren Distanzen, Sauerstoffnot und rasender Puls, mag sie nicht. Das heisst aber nicht, dass sie sich dieser Herausforderung nicht stellt. Auch auf den von ihr als Unterdistanz bezeichneten Strecken, 10 km und Halbmarathon, zählt die Vielstarterin zu den Besten der Region. 65 mal stand sie seit 1998 auf dem Podium, davon 41 mal als Erste. Nur in 19 Rennen schaffte sie den Sprung auf das Treppchen nicht.
Seit 1997 konzentriert sich die heute 37-jährige ganz auf den Laufsport. Ihre Konkurrentinnen im Ultradistanzlauf aus Rußland und Frankreich genießen Profibedingungen. Ebenso die Japaner. Da kann man nur mithalten, wenn man sich entsprechend vorbereitet. 200 Trainingskilometer in der Woche, Gymnastik, Dehnen, Regeneration, Trainingsläufe bis 60 km. "Daneben normal zu arbeiten würde nur auf Kosten der Gesundheit gehen", sagt Constanze Wagner, die in Reichelsheim im Odenwald wohnt, nach ihrem Umzug aber dem TV Rheinau die Treue hielt und gesteht schmunzelnd, "ich bin mit meinem Hauptsponsor verheiratet. Wenn ich Erfolg habe und mich gut fühle, darf ich noch ein paar Jahre Leistungssport dran hängen." (Ende)
